Finnland

Die Studie »User study with tablet devices in school« wurde vom finnischen Next Media Konsortium im Auftrag des Finnish Strategic Centre for Science, Technology and Innovation in the field of ICT im Jahre 2011 in Finnland durchgeführt.

Päivänkenhrä Schule

Teilnehmer der Studie war die Päivänkehrä Schule in Espoo, eine Grundschule der Klassen 1 bis 6 (Alter der Kinder: 7 bis 12) mit 556 Schülern. Dort wurden zehn Samsung-Geräte eingesetzt, die in der Schule blieben und bei Bedarf im Unterricht ausgegeben wurden. (Federley 2012,8)

Die Schüler nutzten die Tablets im Englischunterricht in der dritten (Alter der Kinder: 9 Jahre, erstes Jahr in Englisch) und sechsten Klasse (Alter der Kinder: 12 Jahre, viertes Jahr Englischunterricht). (Federley 2012,8)

In jeder der beiden Klassen nahmen 24 Kinder teil. Sie wurden jeweils in zwei Gruppen eingeteilt, d.h. 12–14 Schüler arbeiteten gleichzeitig mit den Geräten in einem Klassenzimmer. Die Tablets wurden ausschließlich im Englischunterricht eingesetzt und blieben in der Klasse.

Die Kinder arbeiteten mit Englisch-Applikationen, um das Sprechen und Hörverständnis zu üben, sie haben Rollenspiele gespielt und mit der Videokamera aufgenommen, einen Aufsatz geschrieben und sogenannte Yippee-Tasks im Internet gelöst und. (Federley 2012,12)

Die Fragen der Studie waren vor allem:

  • Wie können vorhandene Inhalte mit den Tablets genutzt werden?
  • Wie kann die Nutzung der Geräte den Unterrricht (das Lernen) unterstützen?
  • Welche Alleinstellungsmerkmale haben die Geräte? Was ist der besondere pädagogische Nutzen der Geräte?
  • In welchem Kontext und mit welchen Inhalten bringen die Geräte den größten Nutzen?
  • Wie lässt sich der Unterricht mit Hilfe der Geräte reformieren und verbessern? (Federley 2012,5)

Zur Evaluation des Tablet-Einsatzes wurde eine Kombination aus Unterrichtsbeobachtungen, Lehrerinterviews, teilstrukturierte Gruppeninterviews mit acht Schülern (5 Jungen und 3 Mädchen) und ein Fragebogen für die Schüler eingesetzt. Außerdem führten die Lehrer der Schule in Päivänkehrä ein Tagebuch zum Projekt, während die Lehrer der Schule in Espoo einen Blog ) über ihre Erfahrungen im Projekt schrieben. (Federley 2012,9)

Ergebnisse

Mediennutzung

Von den Kindern der dritten Klasse besaßen 25% einen Computer, von den Kindern in der sechsten Klasse waren es 50%. Insgesamt konnten fast alle Kinder einen Computer zu Hause nutzen.
38% der Schüler der dritten Klasse konnten zu Hause ein Tablet nutzen, in der sechsten Klasse waren es 21%. Viele Kinder berichteten, dass sie schon mit einem Tablet gearbeitet und dabei keine Bedienungsprobleme gehabt hätten.

Über einen Internet-Zugang auf ihrem Mobiltelefon verfügten 40% der Drittklässler und 71% der Sechstklässler.

Insgesamt konntre aber nicht davon ausgegangen werden, dass alle Schüler zu Hause das Internet nutzen können. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, die Tablets nur in der Schule einzusetzen. (Federley 2012,10f.)

Technik und Usability

Die Lehrer berichteten übereinstimmend, dass es weniger Probleme bei der Bedienung der Geräte gab, als sie erwartet hatten, lediglich die Drittklässler benötigten wenige Hilfestellungen.

Auch das Schreiben mit der virtuellen Tastatur bereitete den Kindern keine Schwierigkeiten. (Federley 2012,13)

Durch die Einführung der Tablets und ihre große Flexibilität wurde der Computerraum überflüssig. (Federley 2012,25)

Eine stärkere Verbindung der Tablets mit den vorhandenen digitale Whiteboards wurde ausdrücklich gewünscht. (Federley 2012,15)

Die größte Herausforderung für das Gelingen der Projekt ist ein stabiles, schnelles und problemlos funktionierendes Wireless LAN. Dies ist die notwendige Bedingung für einen angemessenen Einsatz und ein gestörtes oder leistungsschwaches WLAN erschwerte oder verhinderte die Nutzung der Geräte. (Federley 2012,23)

Individuelle Nutzung

Die Nutzung eines Geräts von unterschiedlichen Schülern stellte sich als problematisch heraus, da die erstellten Daten und Einstellungen zunächst auf dem Gerät verblieben und nicht einfach auf andere Geräte übertragbar waren. (Federley 2012@24) Auch der Austausch von Dokumenten verschiedener Formate und die Versorgung der Tablets mit neuen Applikationen bereitete Probleme. (Federley 2012,23)

An der Schule, an der die Kinder die Geräte mit nach Hause nehmen durften, bereitete die private Nutzung, auch für Freizeitaktivitäten, den Kindern keine Probleme. Lediglich die noch fehlende Möglichkeit, das Tablets über einen eigenen Google-Account zu nutzen, wurde als sehr nachteilig wahrgenommen. (Federley 2012,17)

Die Personalisierung der Geräte wurde als wichtig angesehen und die 1:1-Lösung, ein eigenes, persönliches Gerät für jeden Schüler, wird ausdrücklich empfohlen.

Motivation

Das Interesse und die Begeisterung für das Projekt waren bei den Kindern insgesamt sehr hoch. (Federley 2012,10f.)

Besonders bei Schülern, die Schwierigkeiten mit einem bestimmten Fach hatten, konnte ein erhöhtes Interesse am Fach nachgewiesen werden. (Federley 2012,14)

Das eigenständige und selbstgesteuerte Lernen wurde gefördert und die Kinder übernahmen eine stärkere Verantwortung für das eigene Lernen.

Pädagogik

Für den Fremdsprachenunterricht wurde vor allem die Nutzung der Videokamera im als extrem hilfreich wahrgenommen, weil sie das Sprechen und Verstehen der englischen Sprache fördert. Dies wurde auch als größte Veränderung im Unterricht angesehen, denn wenn die Kinder mit der Videokamera arbeiteten, taten sie dies sehr eigenständig und der Lehrer trat dabei sehr stark in den Hintergrund. Die Herausforderung für die Pädagogen bestand darin, neue Lernszenarien mit Hilfe der Erstellung von Videos zu konzipieren. (Federley 2012,12)

In Bezug auf die Differenzierung leisten die Tablets ebenfalls sehr gute Unterstützung, da die Kinder ihrem Lerntempo gemäß mit den Geräten arbeiten konnten.

Die Möglichkeit, dass sich Informationen aus dem Internet zu holen, wurde als extrem hilfreich wahrgenommen. Zugleich wurde damit eine Informationskompetenz erworben, die als in Zukunft zunehmend bedeutsamer angesehen wird.

In der Medienvielfalt und Interaktivität der Inhalte, die mit den Geräten erschlossen werden konnten, wird ein hohes Potential gesehen. (Federley 2012,23) Die Lehrer waren davon überrascht, dass die Kinder sich an Regeln hielten, wie zum Beispiel die das Internet nicht ohne Erlaubnis des Lehrers zu nutzen.

Der angemessene Einsatz dieser neuen Technologie hängt von der persönlichen Motivation und Kompetenz des jeweiligen Lehrers ab. Durch die Tablets wird eine neue Art von Pädagogik und Lernkultur massiv unterstützt: ein übergreifendes Lernen, Gruppenarbeiten, die Entwicklung sozialer Kompetenzen und die Verantwortung für das eigene Lernen. Auch die Trennungen von Schule, Lernen und Freizeit verschwimmen zunehmend.

Insgesamt sieht man in den Tablets großartige Möglichkeiten, neue Wege des Lernens zu ermöglichen, und Schüler und Lehrer werden zukünftig neue Ideen entwickeln, um mit den Geräten angemessen umzugehen. Eine angemessene Pädagogik wird dazu benötigt und es muss weiter erforscht werden, welche Applikationen zum Einsatz kommen sollten. (Federley 2012,22)

Bücher

Das gedruckte Buch hat nach wie vor seinen Platz im Unterricht, auch wenn es inzwischen als ein wenig langweilig wahrgenommen wird. (Federley 2012,13)

Ein Austausch von gedruckten Büchern durch digitale Materialien wird aber von den meisten Beteiligten noch nicht völlig akzeptiert. Vor allem die stabile und sichtbare Struktur eines gedruckten Buches und seine Haptik wird als angenehm empfunden. (Federley 2012,16)

Dennoch ist die eindeutige Stärke der digitalen Bücher ihre rasche Aktualisierbarkeit, die multimediale Informationsdarstellung und die Möglichkeit der direkten Einbindung des Internets. (Federley 2012,13)

Kuusimäki Schule

Als zweite Schule nahm die Kuusimäki Schule in Lappeenranta teil, in der die zehn- bis elfjährigen Schüler der vierten Klasse mit iPads arbeiteten und diese auch als »personal devices« mit nach Hause nehmen konnten.

Die betreuende Lehrerin, die den Einsatz der iPads in der vierten Klasse über den Zeitraum von sieben Wochen begleitete, hatte primär zum Ziel, Papier durch elektronische Dokumente zu ersetzen. Ihre Erwartungen an das Projekt waren sehr hoch, sie kannte sich mit Apple Produkten gut aus, obwohl sie noch nie zuvor ein iPad benutzt hatte.

Diese hohen Erwartungen wurden uneingeschränkt erfüllt und nach einer Startphase von zwei Wochen war sie sehr zufrieden mit den Ergebnissen (»everything was just great«). Das Unterrichten ohne Papier wurde von ihr als sehr gute Erfahrung empfunden, weil alle Materialien auf dem iPad vorlagen.

Durch die Geräte wurde die soziale Interaktion zwischen den Schülern verstärkt, die Kinder halfen sich gegenseitig bei Problemen und ältere Schüler leiteten jüngere an, was diese stark motivierte.

Im Gegensatz zum Lernen im Computerraum war die soziale Interaktion und Zusammenarbeit wesentlich natürlicher und einfacher aufgrund der hohen Portabilität der Geräte. Die Kinder konnten sich innerhalb der Klasse wesentlich freier bewegen und gemeinsam Aufgaben lösen.

Auch das Unterrichten wurde spontaner, denn die Lehrerin konnte auf die jeweilige Situation in der Klasse flexibel reagieren. Konzentrierte Lern- und Entspannungsphasen gingen natürlich ineinander über, was von der Lehrerin sehr geschätzt wurde.

Die Nutzung der virtuellen Tastatur bereitete den meisten Kindern kein Problem, lediglich einzelne Schüler mit motorischen Störungen hatten Schwierigkeiten, den richtigen Punkt auf der Tastatur mit ihrem Finger anzusteuern.

Mithilfe von geeigneten Applikationen konnten besonders schwächere Schüler bei der Erstellung von Texten stark unterstützt werden.

Auch die Verknüpfung verschiedener Aktivitäten miteinander, wie das Lesen, Schreiben, Malen, verschicken von E-Mails, oder das Erstellen von Audio- und Video-Dateien wurde als sehr hilfreich und motivierend erlebt.

Die meisten Eltern berichteten, dass ihre Kinder nun viel motivierter zur Schule gingen und auch Verspätungen zurückgingen. (Federley 2012,18)

Quellen

User study with tablet devices in school

© Frank Thissen – Impressum – »I try to skate to where the puck will be, not where it has already been!« (Wayne Gretzky)