Schottland

scotlandInitiiert von der University of Hull und dem schottischen Schulministerium wurden in acht schottischen Schulen – fünfGrundschulen (primary schools) und drei weiterführenden Schulen (secondary schools) – iPads im Unterricht eingesetzt und dieser Einsatz systematisch evaluiert. Die Schüler an diesen Versuchsschulen – im Alter von 7 bis 14 Jahren – erhielten je ein iPad und konnten es in der Schule und einige Schulklassen auch zu Hause nutzen.

Bei der Auswahl der Schulen wurde darauf geachtet, dass die Schulen in vielfacher Hinsicht (Demographie, Infrastruktur, technologische Struktur etc.) sehr unterschiedlich voneinander sind. (Burden 2012,8)

Die iPads wurden sehr vielfältig im Unterricht eingesetzt. Die Bandbreite erstreckte sich von der Nutzung zu bestimmten Gelegenheiten über den kontinuierlichen Einsatz bis zum personalisierten umfassenden Einsatz, bei dem das Gerät in der Schule und zu Hause genutzt werden konnte. (Burden 2012,8)

Zum größten Teil wurden iPads der zweiten Generation verwendet, vereinzelt auch Geräte der ersten Generation (noch ohne Kamera). (Burden 2012,8)

Der wissenschaftlich begleitete iPad-Einsatz fand zwischen März und Juli 2012 statt. (Burden 2012,8)

Die grundlegende Frage des Projektes war: Wie beeinflusst der Einsatz von Tablets das Lehren und Lernen? (Burden 2012,16)

Damit verbunden waren die Fragen:

  • Wie verändern sich das Lernen und Lehren, wenn die Schüler und Lehrer Tablets verwenden?
  • Wie beeinflusst der persönliche Besitz eines iPads die Eltern und die Schulorganisation?
  • Muss sich die Organisation der Schule insgesamt beim Einsatz dieser Geräte verändern? Und wenn ja, wie?
  • Welche Modelle des professionellen Lernens eignen sich besonders beim Einsatz von Tablets? (Burden 2012,16)

Die Forschungsdaten wurden ermittelt mit Hilfe von Befragungen der Eltern und Schüler, Interviews mit den Lehrern und Schulmanagern, den Verantwortlichen in den Schulverwaltungen und -behörden, durch Fokusgruppen und Unterrichtsbeobachtungen durch das Forschungsteam. Zusätzlich wurden die Lehrer darum gebeten, sich Notizen zu machen. Videotagebücher von ausgewählten Schülern wurden ebenfalls berücksichtigt. (Burden 2012,8f.)

Ergebnisse

Der Einsatz von Tablets erleichtert die Nutzung von Technologien im Unterricht und unterstützt die Kernelemente des schottischen Curriculums zur Medienerziehung

Durch die permanente Möglichkeit, das Internet zu nutzen und Recherchen durchzuführen, gewann der Unterricht eine besondere Dynamik und es entstanden neue pädagogischen Möglichkeiten.

Die Geräte ermutigten viele der beteiligten Lehrer dazu, alternative Aktivitäten im Unterricht und verschiedene Möglichkeiten zur Unterstützung der einzelnen Schüler auszuprobieren. Die Einführung der mobilen Technologie auf einer persönlichen Basis (1:1) vergrößert signifikant die Nutzung von Technologien durch die Schüler, sowohl in als auch außerhalb der Schule, mit vielen damit verbundenen Vorteilen für den Lernprozess, einschließlich einer höheren Motivation, einer höheren Beteiligung im Unterricht, einer stärkeren Einbeziehung der Eltern und einem besseren Verständnis komplexer Ideen.

Die Schüler erleben sich verstärkt als autonom Handelnde und fühlen sich dazu ermutigt, mehr Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen. Außerdem fördert der persönliche Besitz der Geräte das interdisziplinäre Arbeiten stärker, weil das iPad den ganzen Schulalltag über genutzt wird.

Die Einarbeitungszeit (learning curve) war bei den iPads extrem gering. Es war nur sehr wenig formales Training für die Lehrer nötig, denn sie lernten experimentell durch den Umgang mit dem Gerät und die Zusammenarbeit mit Kollegen und Schülern im Unterricht. (Burden 2012,10)

Die Nutzung der Geräte verändert die Art und Weise wie Lehrer ihre Rolle im Unterricht wahrnehmen, sie berichteten über eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Schülern sowie darüber, dass Schüler sich gegenseitig unterstützten und sie als Lehrer nicht oder wenig benötigt wurden. Offensichtlich wurde dieses Verhalten durch die Geräte und ihre Applikationen massiv gefördert, eine Veränderung der Pädagogik wurde somit zwangsläufig. Aus der Klassengemeinschaft wurde eine Lerngemeinschaft, in welcher der Lehrer hauptsächlich »nur« noch eine Beratungsfunktion innehatte. Insgesamt schien sich die Qualität des Lernens eindeutig zu verbessern.

Die iPads ermöglichten es den Schülern, ihre Kreativität zum Ausdruck zu bringen und auch die eigenen Arbeitsergebnisse stärker zu reflektieren. (Burden 2012,10)

Durch die Nutzung der Geräte zu Hause wurden auch die Eltern intensiver in das Schulleben einbezogen. Eine »überwältigende« Mehrheit der Eltern stimmten dem Einsatz bereits in der Grundschule zu. Mehr als 80% sagten aus, dass ihre Kinder von dem Projekt profitiert hätten und es zu einer verbesserten Einstellungder Schule gegenüber beigetragen hätte. Sie nahmen ihre Kindermotivierter, interessierter und engagierter wahr. 75% der Eltern hatten den Eindruck, dass ihre Kinder nun lieber und häufiger über die Erlebnisse in der Schule zu Hause erzählen.

Über 90% der Schüler sagten aus, dass das iPad ihnen geholfen hätte, mehr zu lernen und auch schwierigere Konzepteund Ideen besser zu lernen. (Burden 2012,10)

Auch wurde von mehreren Klassenlehrern berichtet, dass durch die Geräte ausnahmslos alle Kinder profitiert hätten, auch schwächere oder lernbehinderte.

Viele Vertreter der Schulbehörden sagten aus, dass die Einführung und Nutzung der iPad-Technologie die am schnellsten akzeptierte, erfolgreichste und unproblematischste Initiative war, die sie jemals erlebt hätten. (Burden 2012,9)

Nach der Einführung der iPads haben einige Schulen beschlossen, ihre Computerräume nicht mehr zu erneuern.

Bedenken gab es hinsichtlich der Datensicherheit und eSafety, aber man kam zu der Überzeugung, dass nicht eine verstärkte Kontrolle, sondern eine Kultur des Vertrauens in die Schüler die angemessene Antwort sei. Die verantwortungsvolle Nutzung des Internets wird als pädagogische Herausforderung verstanden und nicht primär als eine technische. Im Gegenteil erschwerten technologische Lösungen (Filter etc.) eher die Arbeit mit den Geräten im Internet. (Burden 2012,11) Viele Schulen berichteten, dass sie bei ihren Schülern eine hohe Verantwortung und Sorgfalt gegenüber den iPads wahrnahmen, auch wenn die Schüler die Geräte mit nach Hause nahmen. Das Gerät selber sei einfach zu bedienen, äußerst robust und sehr zuverlässig in der Nutzung.

Eine wesentliche Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz ist allerdings ein vorhandener und leistungsfähiger kabelloser Internet-Zugang (WLAN) und die Möglichkeit, in einer Cloud Ergebnisse abzuspeichern. (Burden 2012,13) Auch wurde ausdrücklich Apple TV™ für den Einsatz im Unterricht empfohlen, um das kollaborative Arbeiten zu erleichtern.

Das Fazit des Schulministers Michael Russell lautet (11.6.2012): »What we want to do is enhance the involvement in learning, enhance the challenging nature of learning, encourage young people to explore and find things out. I saw all of those things around me.«

Quellen

iPad research in schools

Scottish Mobile Personal Device Evaluation (2012)

© Frank Thissen – Impressum – »I try to skate to where the puck will be, not where it has already been!« (Wayne Gretzky)