USA

Pepperdine University

Die Pepperdine University in Malibu (Kalifornien) führte im Zeitraum von Herbst 2010 bis Herbst 2011 eine Studie über die Nutzung von iPads in verschiedenen Schulen durch. (iPad Research Study)
Das Ziel der Studie war die Beantwortung der folgenden beiden Fragen:

  • Haben iPads das Potenzial, den Lernerfolg von Schülern zu erhöhen?
  • Gibt es eine Formel für eine Verbesserung des Lernens?

Während des Versuches unterrichteten Lehrer in zwei Klassen parallel. Eine Klasse setzt iPads ein, die andere Klasse Laptops und Desktops. Beide Klassen konnten auf Internetkurse der Firma Sakai und auf iTunes U zugreifen.

Evaluation

Das Projekt wurde evaluiert durch den Einsatz von Fragebögen für die Schüler vor und nach dem Projekt, Beobachtungen im Klassenzimmer, Gruppeninterviews (Fokusgruppen), Interviews mit Lehrern und die Auswertung der Benotungen.

Ergebnisse

Auf die Frage, wie einfach das Teilen von Informationen mit den Mitschülern in der Klasse sei, antworteten 75% der Schüler, dass Ihnen das iPad dabei sehr geholfen habe. Im Interview sagten sie aus, dass sie sich gegenseitig unterstützt hätten, um sich auf dem gleichen Lernniveau zu halten. Gerade die große Portabilität der Geräte habe es ihnen im Unterricht wesentlich erleichtert, zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu helfen.

Bei den Unterrichtsbeobachtungen wurde deutlich, dass die Schüler sich die Recherche-Ergebnisse und Inhalte, die sie im Internet gefunden hatten, gegenseitig zeigten.

Hardware

Die Frage nach der Einzigartigkeit des iPads wurde mit der extremen Vielseitigkeit des Gerätes beantwortet. »The iPad can do everything.«

»It is not just a clicker or an e-reader. The iPad has the capacity to be a communication, productivity, and gaming device all in one convenient, mobile platform.«

Die Studie schreibt, dass im Gegensatz zu vielen anderen Technologien, die in der Vergangenheit in Schulen eingeführt worden sind, das iPad seinen Nutzen erst durch den angemessenen pädagogischen Einsatz durch den Lehrer im Unterricht erhält.

So fand man beispielsweise heraus, dass Applikationen wie Pages und Numbers für die meisten Schüler so lange wenig nützlich waren, bis der Lehrer sie im Unterrichts zu wirksamen Lernwerkzeugen gemacht hat. Ebenso ließen sich Spiele wie Hotel Tycoon sinnvoll für den Unterricht nutzen. Auch die Möglichkeiten, sich mit dem iPad Notizen zu machen, E-Mails zu schreiben, PDFs zu lesen oder eBooks zu verwenden, wurden intensiv genutzt.

Quelle

iPad Research Study

Amelia Earhart Middle School

Die Amelia Earhart Middle School in Riverside, Kalifornien USA untersuchte zwischen September 2010 und Juli 2011 gemeinsam mit der Software-Firma Houghton Miflin Harcourt eine Mathematik-App, die speziell für das iPad erstellt worden war: HMH Fuse: Algebra I.

In zwei Klassen der Schule kam diese Applikation zum Einsatz, in den übrigen Klassen wurden die Schüler traditionell mit Büchern unterrichtet, die Inhalte waren dabei sehr ähnlich.

Die Geräte inklusive der HMH Fues- Applikation konnten von den Kindern 24 Stunden am Tag genutzt werden, auch zu Hause in der Freizeit. Der Schule war es sehr wichtig, dass die Schüler sich als Besitzer der Geräte wahrnahmen. (HMH Fuse Algebra 1,5)

Die Schüler durften von ihnen ausgewählte Apps auf die Geräte laden sowie Musik und Videos.

Die Schüler und ihre Eltern, gaben an, den Einsatz der Geräte als sehr »aufregend« zu erleben. Auch wurde beobachtet, dass die Elterndurch den Einsatz der iPads stärker am Schulleben beteiligt wurden. »Parents could watch the videos or review problems with their children to help them if they did not understand.« (HMH Fuse Algebra 1)

Die Phase der Eingewöhnung und Entwicklung geeigneter Unterrichtskonzepte durch die Lehrer war relativ kurz. Das Vorhandensein unterschiedlicher Inhalte, Übungen, Videos und interaktiver Angebote in der Applikation ermöglichte es den Kindern, Fragen rascher zu klären als mit verschiedenen gedruckten und online-Ressourcen.

Die Lehrer konnten eine höhere Motivation und Konzentration bei den Schülern feststellen, die mit dem iPad arbeiteten. Und offensichtlich nutzten die Schüler die Möglichkeiten der Algebra-Applikation häufig selbstorganisiert und übernahmen so zunehmendVerantwortung für ihren Lernprozess. »Kids were more in charge of their own learning.« (HMH Fuse Algebra 1)

Nach Aussagen der Schüler wurde auch außerhalb der Schule mehr für den Mathematikunterricht geübt, als dies vorher der Fall war. Viele berichteten, dass sie sich die Videos der Applikation mehrfach angesehen hätten.

Hatten Schüler den Unterricht verpasst, gab es für sie die Möglichkeit, sich mit Hilfe der Applikation eigenständig das Versäumte nachzuholen.

Insgesamt wurde hier das Konzept des so genannten »flipped classrooms« sichtbar: die Schüler lernten und arbeitete eigenständig zu Hause und in der Schule wurden Probleme gelöst und das Erlernte geübt. Diese neue Situation führte dazu, dass die Lehrer imUnterricht individueller auf die Kinder eingehen und sie unterstützen konnten. (HMH Fuse Algebra 1,6)

Das wichtigste Ergebnis war die Beobachtung, dass die Schüler, die mit der Applikation lernten sich im Vergleich zu denen, die mit dem Buch arbeiteten, zunehmend verbesserten.
»Using the app not only changed students’ behavior inside the classroom, but outside the classroom as well.« (HMH Fuse Algebra 1,7)

Das Fazit war aber auch in dieser Studie, dass es auf die Pädagogik und den Einsatz der Geräte ankommt. »Simply adding technology into classrooms will not lead to greater learning.« (HMH Fuse Algebra 1,8)

Quellen

HMH Fues Pilot Programm

Teaching With a Tablett: One Educator´s Experimente

Whitepaper: Results of a yearlong Algebra pilot in Riverside, CA

Learning Untethered

Die Studie »Learning is personal« wurde von Marie Bjerede, einer Beraterin im Bereich der Schulentwicklung und Tzaddi Bondi, Lehrerin an der Stafford Primary School in Portland durchgeführt.

An der Schule in Portland wurde ein Klassensatz von 7-Zoll-Tablets der Firma Samsung (Galaxy Tab) mit dem Betriebssystem Android 2.2eingesetzt. Der Internet-Zugang wurde mit Hilfe von Kajeet for Education gefiltert.

Es nahmen 27 Schüler der fünften Klasse teil.

Die Schulbehörde unterstützte das Projekt offensiv, die Lehrer verpflichteten sich zum täglichen Einsatz der Tablets, die Schüler organisierten ihre Aufgaben eigenständig und halfen sich gegenseitig bei Problemen mit den Geräten oder Applikationen. Die Eltern ermöglichten den Kindern einen Internet-Zugang zu Hause und unterstützten ihre Kinder bei Schwierigkeiten.

Forschungsfragen

Durch das Projekt sollten die folgenden Fragen geklärt werden:

  • Was geschieht, wenn jeder Schüler sein eigenes mit dem Internet verbundenes mobiles Gerät für die persönliche Nutzung und das Lernen verwendet?
  • Können Tablets Laptops und Schreibmaterialien ersetzen?
  • Sind mobile Geräte dazu geeignet, Texte zu verfassen und Inhalte zu erstellen?
  • Sind Geräte mit dem Android Betriebssystem eine gute Alternative zu den teureren iOS-Geräten der Firma Apple?
  • Wie verändert sich das Lehren und Lernen wenn jeder Schüler ein Tablet besitzt?
  • Fördert die Nutzung der Tablets zu Hause einen reichhaltigeren Unterricht, komplexere Lern-Aktivitäten und mehr individuelle Betreuung durch den Lehrer?
  • Können Grundschüler schon verantwortungsbewusst mit dem Internet umgehen? (Bjerede & Bondi,9)

Durchführung

Der Einsatz der Tablets geschah in drei Phasen.

In den ersten 3 bis 4 Monaten machten sich die Schüler mit den Geräten vertraut und lernten, deren Möglichkeiten und vor allem den Internetzugang angemessen zu nutzen.

In den folgenden 2 bis 3 Monaten wurde noch vorhandene technische Probleme gelöst, wie der unstabile WLAN-Zugriff oder das gelegentliche Abstürzen der Geräte. Die Lehrer und Kinder lernten die Grenzen der Geräte kennen und damit umzugehen.

In den abschließenden drei Monaten wurde intensiv mit den Geräten gearbeitet. Dabei wurde auch Edmodo, eine soziale Plattform intensiv genutzt. Die Kinder arbeiteten kollaborativ mit Hilfe der Plattform, tauschten Materialien aus und standen auch in ihrer Freizeit miteinander in Kontakt.

In verschiedenen Schreibprojekten setzen sich die Schüler mit verschiedenen Themen der Literatur und Geschichte auseinander. (Bjerede & Bondi,12ff)

Überraschenderweise konnte kein qualitativer Unterschied beim Schreiben von Texten auf einem 7-inch großen Tablet im Vergleich zu einem Netbook festgestellt werden. Es zeigte sich allerdings, dass die Schüler für größere Schreibprojekte Laptops bevorzugten und für kürzere Texte die Tablets. Im Vergleich zu Laptops oder der Kombination Papier und Schreibstifte zeigten die Tablets mehr Gemeinsamkeiten mit den herkömmlichen Schreibgeräten. Und auch wenn die mobilen Geräte zu Erstellung von Fotos, Videos, Tonaufnahmen sehr gut geeignet sind, haben Laptops mit ihrem größeren Bildschirm, einer Tastatur und installierter Standardsoftware beim Erstellen größerer Texte und Projekte eindeutig den Vorzug. (Bjerede & Bondi,4)

Außerdem wurde eine Veränderung der Art und Weise des Unterrichts durch die Lehrer beobachtet. Wo früher Inhalte durch den Lehrer vorbereitet und an die Schüler verteilt wurden, kam es nun durch den Einsatz der Tablets zu einem Lern-Setting, in dem die Schüler eigenständig nach Inhalten suchen und sich mit ihnen in Diskussionen in der Klasse auseinandersetzen.

Zwei Voraussetzungen müssen dazu allerdings gegeben sein: erstens, dass jeder Schüler sein eigenes mit dem WWW verbundenes Gerät besitzt und zweitens, dass in der Klasse eine Atmosphäre vorherrscht, in der jeder Schüler die individuelle Freiheit (und damit verbundene Verantwortung) besitzt, Dinge zu erforschen, zu entdecken, zu experimentieren und auch zu entscheiden, wie das Tablet von ihm genutzt wird. (Bjerede & Bondi,5)

»We believe the mobile devices facilitated these transitions, removing barriers to these kinds of teaching and learning environments.« (Bjerede & Bondi,31)

Ebenso wurde beobachtet, dass die Schüler sich die Zeit für verschiedene Aktivitäten und Fächer wie Mathematik, Schreiben, Wortspiele, Lesen und anderes selbständig einteilten. Dabei entwickelten sie unterschiedliche Kompetenzen der Nutzung ihrer Werkzeuge und Ressourcen. (Bjerede & Bondi,5)

Die Schüler übernahmen die Verantwortung für ihren Lernprozess, ihre Geräte und die Inhalte auf den Geräten und gingen sehr verantwortungsbewusst mit dem Internetzugriff um. (Bjerede & Bondi,5&10)

Die Autorinnen sprechen von einem »seemingly organic shift from a classroom centered on directed instruction to a more collaborative classroom where the teacher and students work together as peers to explore the use of technology for learning«, (Bjerede & Bondi,31)

Obwohl die Autorinnen erwartet hatten, dass die Qualität der Arbeiten der Schüler durch den Einsatz der neuen Technologie größer werden, wurden ihre Erwartungen weit übertroffen: Die Arbeitsergebnisse der Schüler zeigten eine wesentlich höhere Qualität als die der Schüler vorausgegangener Jahrgänge. (Bjerede & Bondi,10)

In der abschließenden Präsentation des Projektes wurde deutlich, dass die Ergebnisse durch die Schüler umfangreicher, komplexer und anspruchsvoller präsentiert wurden als von den Schülern der vorangegangenen Jahre. (Bjerede & Bondi, 5)

Durch das sehr eigenständige Lernen verbesserten die Schüler ihre Organisationskompetenz, sie sprachen Gruppenaufgaben miteinander ab, klärten, welche Aufgaben noch zu lösen seien, und wann sie sich treffen wollten. (Bjerede & Bondi,18)

Die Studie spricht von einem vertieften Verständnis für die Lerninhalte, da Fragen und Ideen zeitnah über die Lernplattform Edmodo ausgetauscht und geklärt wurden. Die Dynamik des Unterrichts ging von den Schülern aus und wurde nicht von den Lehrern vorgegeben. Die verstärkte Eigenaktivität der Schüler war die wesentliche Veränderung im Unterricht und wurde von ihnen als große Bereicherung erlebt. (Bjerede & Bondi,18) Durch das Schreiben von Lerntagebüchern wurde die Reflexion über den eigenen Lernprozess unterstützt. (Bjerede & Bondi,18)

»This depth of work was made possible as a result of the collaboration and richness of resources made possible through connected mobile devices as well as the students‘ attitudes and dispositions after a year of using them as independent learners.« (Bjerede & Bondi,19)

Die Autorinnen sehen im Klassenzimmer eine massive Veränderung. Der Lehrer ist nicht mehr die Instanz für Antworten, sondern wird zum Lernbegleiter, während die Schüler sich mithilfe der Tablets Inhalte erschließen, Fragen lösen und die Ergebnisse präsentieren. Dies beschreiben sie als einen radikalen revolutionären Wandel. (Bjerede & Bondi,31)
Es ist schwierig, sich auf ein Gerät festzulegen und die Studie hat gezeigt, dass Schüler aus einer Vielzahl von Möglichkeiten wie Laptops, Tablets oder Schreibstifte auswählen und diese Geräte nach ihren Vorlieben einsetzen wollen. (Bjerede & Bondi,25)

»This project demonstrates that technology-rich environments, with personal devices for all students tailored to their preferences, and the freedom for every child to discover and develop and own her learnin-‚ is a powerfully effective model for the futur education.« 
(Bjerede & Bondi,21)

Obwohl die Samsung-Geräte mit dem Android-Betriebssystem einige Vorteile besitzen, wie geringere Kosten und ein offenes System für die Applikationen und Daten, raten die Autorinnen von der Nutzung dieses Betriebssystems ab. Durch die Vielzahl an Hardware unterschiedlichster Hersteller und den unterschiedlichen Versionen des Betriebssystems ist die Kompatibilität von Apps mit den Geräten nicht gesichert, neuere Anwendungen laufen häufig nicht auf älteren Systemen und ältere Hardware wird nicht mehr von neueren Versionen des Betriebssystems unterstützt. Zudem gibt es keine Organisationen, die für das Gesamtsystem zuständig ist und Schulen dabei helfen würde, Android-Geräte effektiv einzusetzen. Hier liegt Apple mit seinem iOS-System eindeutig im Vorteil und erleichtert – trotz mancher Beschränkungen – den Einsatz im Schulalltag stark. (Bjerede & Bondi, o. J., S. 4 f., 10, 26)

Zudem sehen die Autorinnen die Geräte der Firma Apple wegen einiger spezifisch für die Schule geeigneten Applikationen eindeutig im Vorteil. (Bjerede & Bondi,27)

»Based on our specific experiences from the Learning Untethered project we aren’t able to recommend Android devices for school implementations.« (Bjerede & Bondi, o. J., S. 26)

Quelle

learning untethered

© Frank Thissen – Impressum – »I try to skate to where the puck will be, not where it has already been!« (Wayne Gretzky)