Schule im 21. Jahrhundert
Im 21. Jahrhundert, in dem die Welt sich so radikal wandelt, in der Technologien in alle Lebensbereiche hinein wirken, in der Menschen global vernetzt sind, in der Informationen in gigantischen Mengen vorhanden sind und besondere Kompetenzen gefordert sind, um mit Komplexität umzugehen, muss die Schule vollkommen neu gedacht werden.
Kosmetik reicht nicht mehr aus und ein paar mobile Geräte in die Klasse zu bringen, um dann die Arbeitsblätter darauf bearbeiten zu lassen, ist keine Lösung. Im Gegenteil – das Festhalten an alten Konzepten verschlimmert die Lage nur, wie der Ökonom Fredmund Malik sagt:
»Die größte Herausforderung der Neuen Welt ist ihre immense Komplexität. […] Aus dieser Unfähigkeit heraus reagieren immer mehr Organisationen mit der falschen Strategie: Sie wollen Komplexität reduzieren, um weiterhin an ihrem veralteten Funktionieren festhalten zu können. […] Damit verhindern sie die Lösungen und tragen zur Verschärfung von Krisen bei.« Fredmund Malik: Navigieren in Zeiten des Umbruchs. 2015, S. 12
Die Wasenschule – ein Modell für die Schule der Zukunft ?
Ich lernte Michael Widmann im November 2018 bei der bundesweiten Fortbildungstagung für Bereichs- und Circuslehrkräfte (BuFo) im Europa-Park in Rust bei Freiburg kennen. Dort trafen sich Bereichslehrkräfte, die Kinder und Jugendliche beruflich Reisender begleiten, aus allen Bundesländern, um zu diskutieren, wie man diese Kinder auch mithilfe digitaler Technologien in ihren Lernprozessen unterstützen kann. In Vorbereitung auf meinen Eröffnungsvortrag für diese Konferenz setzte ich mich intensiv mit der Situation dieser Kinder auseinander und lernte ihre spezifische Situation kennen. In meinem Vortrag versuchte ich daraufhin deutlich zu machen, dass die spezifische Situation dieser Kinder auch ein großes Potenzial bot: sie erleben den Alltag ihrer Eltern täglich und sind intensiv in das berufliche Geschehen ihrer Eltern integriert, sie übernehmen früh Verantwortung, lernen im Tun auf Augenhöhe mit ihren Eltern und anderen und verfügen in der Regel über eine Reife, die in der Regel nicht vergleichbar ist mit Gleichaltrigen.
Nach dem Vortrag kam dann Michael Widmann auf mich zu und erzählte mir von der Wasenschule, die jeweils zum Stuttgarter Frühlingsfest und Cannstatter Volksfest auf dem Wasen in Stuttgart Bad Cannstatt stattfindet. Da ich in Stuttgart arbeite, besuchte ich sie kurz darauf im Frühjahr 2019.
Schon beim ersten von mehreren Besuchen fiel mir die entspannte und zugleich konzentrierte Atmosphäre auf. In einem großen Raum, geschmückt mit Landkarten, Postern und anderen Lernmaterialien, einem Tisch mit Obst, saßen die Kinder mit jeweils einem erwachsenen Lernbegleiter zusammen. Und obwohl es ungefähr 20 Kinder und 20 Erwachsene gab, war es im Raum sehr leise.
In der Pause erzählt mir dann ein Junge, dass er die Zeit in der Wasenschule immer sehr genießen würde, weil sich in den vielen anderen Schulen, die er im Laufe des Jahres besuchen müsste, die Mitschüler und Lehrer ihm gegenüber zum Teil ablehnend verhielten oder ihn auch als Exoten behandelten. Die Wasenschule hingegen gäbe ihm Sicherheit, Kontinuität und persönliche Begleitung sowie ein soziales Umfeld der Vertrautheit mit bekannten Personen.
Als Hochschuldozent hatte ich die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen anzubieten, in denen sich Studenten mit der Situation der Kinder beruflich Reisender auseinandersetzten und Materialien erstellten, die eine Empathie und ein Verständnis für diese Kinder fördern sollten. Einige von ihnen waren auch als Lernpartner in der Wasenschule aktiv und auch ich nahm daran teil.
In meinen Augen ist die Wasenschule aber mehr als nur ein Angebot für eine bestimmte Zielgruppe, die Kinder beruflich Reisender. Sie hat auch vorbildliche Merkmale, die junge Menschen auf ein Leben im 21. Jahrhundert vorbereiten können, auf ein Leben in einer digitalisierten Welt voller rapider Entwicklungen, einer unübersichtlichen Informationsfülle, einer hohen Komplexität und großen Anforderungen.
Vergleicht man diese Aspekte der Wasenschule mit den Konzepten von Alan November, einem amerikanischen Pädagogen, der der Frage nach der Schule im 21. Jahrhundert nachgegangen ist, finden sich viele Parallelen. Um den Herausforderungen der digitalen Welt entgegenzutreten und mit ihnen kreativ und konstruktiv umzugehen bedarf es nach November folgender zentraler Elemente: Das Lernen muss Sache der Lerner werden (»Who Owns the Learning«), Lernen findet stets in sozialen Kontexten statt, in denen die Beziehung das zentrale Element ist, Lernen hat auch immer etwas mit Sinnhaftigkeit zu tun, indem Lerner etwas für ihre Gemeinschaft beitragen, Verantwortung übernehmen und permanentes Feedback für das eigene Tun erhalten. Vor allem aber müssen in einer modernen Schule im 21. Jahrhundert die so genannten 21st Century Skills gefördert werden, zu denen kritisches Denken, Neugier und Empathie gehören.
In diesem Sinne zeigt die Wasenschule einige Elemente auf, die vorbildlich sein können für Standardschulen.
Frank Thissen: Vorwort, April 2026
Changing Education Paradigms
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Der britische Kreativitäts- und Bildungsforscher Sir Ken Robinson zeigt in seinem TED-Vortrag auf, dass unser Schulsystem aus dem Industriezeitalter kommt, für das Arbeiten in diesem ausgelegt ist und deshalb bestimmte Merkmale dieses Zeitalters aufweist.
In der digitalen Welt funktionieren diese Prinzipien aber nicht mehr.
The Future of Learning
Der indische Bildungsforscher Sugata Mitra setzt sich in seinem TED-Vortrag mit der Zukunft von Bildung auseinander.
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Werte und Haltung im pädagogischen Handeln
Die ehemalige Schulleiterin Margret Rasfeld ist Mitbegründerin von Schule im Aufbruch.
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„Schule gestern, heute, morgen – und dieselbe auch in Ewigkeit“?
Seit der PISA-Studie wissen wir, das System ist nicht unfehlbar, und die Corona-Pandemie zwingt uns […] zum radikalen Umdenken.
Wir finden: Darin steckt auch eine Chance!
Deswegen fragen wir heute in der #digitalisierBar unseren Gast Prof. Dr. Frank Thissen, Lernwissenschaftler an der Hochschule der Medien in Stuttgart, wie Schule zukünftig aussehen kann.
Der #Medienservice des Lahn-Dill-Kreises
Idee: Sandra Nell, Andreas Gerhard
Kamera: Andreas Lehmann
Aufzeichnung vom 13.2.2021
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Disruptive Bildungsperspektiven
„Wenn wir in Deutschland über gute Bildung diskutieren, dann sprechen wir meistens über die äußeren Formen von Bildung. Wir sprechen über Kindergärten, Schulen und Universitäten, über Lehrkräfte, Schulfächer und Ausbildungsformate. Wir stellen uns Fragen wie diese: Brauchen wir jetzt alle Tablets statt Blöcken oder Smartboard anstelle klassischer Schultafeln? Sollten wir im Abitur noch Goethe lesen? Müssten wir nicht viel eher ganz praktisch lernen, wie wir wahlweise unsere Steuererklärung oder einen Hartz-IV-Antrag auszufüllen haben?
Die These unserer Vortragsreihe lautet: Wir stellen die falschen Fragen. Denn diese Fragen betreffen nur die Form der Bildung, nicht aber ihren Kern. Und diese Form wird sich voraussichtlich sowieso in zunehmender Geschwindigkeit verändern. Wir schauen im Diskurs stets nur aus dem System heraus, anstatt uns die Situation einmal aus einer Metaperspektive anzusehen. Die wirklich wichtigen Fragen stellen wir uns nicht.“ Universität Witten/Herdecke
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