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„Intrinsisch ist man motiviert, wenn die geforderte Tätigkeit selbst als interessant, spannend und herausfordernd erscheint, sodass man keiner zusätzlichen Belohnung bedarf.“

Klauer & Leutner 2012: Lehren und Lernen, S. 52

Quelle: Unsplash

Definition – Intrinsische Motivation

Viele Menschen werden von äußeren Einflüssen, Erwartungen oder Angst angetrieben. Intrinsische Motivation hingegen kommt von innen. Die intrinsische Motivation bezieht sich auf die Motivation, die aus einer Tätigkeit selbst entspringt.

Wer intrinsisch motiviert ist, übt eine Tätigkeit aus, weil er sie interessant findet, grundsätzlichen Spaß daran hat, diese als besonders sinnvoll oder auch herausfordernd empfindet. Sie besitzen einen inneren Antrieb, sich dieser Sache zu widmen. 

Intrinsische Motivation zeichnet sich durch ehrliche Freude an einer Aufgabe aus. Das steht im Gegensatz zur extrinsischen Motivation, bei der man eine Aufgabe erledigt, um externe Belohnungen zu verdienen oder Strafen zu vermeiden. Extrinsisch motiviertes Verhalten ist daher von außen bestimmt und gilt als Fremdbestimmung, wohingegen intrinsische Motivation als eigenbestimmt wahrgenommen wird. 

In Studien wurde bereits nachgewiesen, dass intrinsisch motiviertes Verhalten positive Folgen nach sich zieht. So sind damit größere Flexibilität im Denken, höhere Kreativität, bessere (Lern-)Leistungen und eine positivere emotionale Befindlichkeit verbunden. Im Gegensatz dazu, werden bei der extrinsischen Motivation Leistungen und Kreativität gar reduziert und abgebaut. 

Vorteile der Intrinsischen Motivation zusammengefasst: 

  1. Fördert Kreativität und Leistung
  2. Führt zu umfangreicheren Wissensstrukturen
  3. Fördert das Engagement der Schüler
  4. Fördert eine bessere und längere Konzentration
  5. Die Schüler fühlen sich wohler in der Schulumgebung

Intrinsische vs extrinische Motivation

Der Kern der intrinsischen Motivation ist, dass eine Person eine Tätigkeit aus eigener
Motivation und innerer Überzeugung heraus ausführt. Im Gegensatz dazu steht die extrinsische Motivation. Dabei verrichtet die Person eine bestimmte Arbeit nur aufgrund von Zielen, die von anderen Menschen gesetzt werden und somit auch aus Angst vor
Bestrafung.

Studien zufolge führt intrinsisches Lernen zu besseren und umfangreicheren Wissensstrukturen, die sich in Leistungsnachweisen bemerkbar machen.

Das Lernen wird als angenehmer empfunden, da man es schafft, sich ganz auf den Lernstoff zu konzentrieren und sich nicht ablenken lassen will, obwohl es trotzdem Anstrengend ist.

Im Gegensatz dazu reduziert extrinsische Motivation die Kreativität und die Motivation, etwas Neues zu erlernen.

Was läuft an unseren Schulen falsch?

„Bildung ist nicht Wissen, sondern Interesse am Wissen“

Kaum ein Schüler geht gerne zur Schule. Es wird nur die Zeit abgesessen, bis man endlich wieder nach Hause darf. Lernen ist ein mühevoller Zwang, aber Spaß hat dabei keiner. Ist das der einzige Weg, wie man den Schülern Wissen vermitteln kann? Bildung ist ein Privileg, doch in den Augen der Schüler nur eine Qual. Doch warum ist das so? Was läuft falsch an unseren Schulen?

Umfrage (Teilnehmer: Schüler und ehemalige Schüler): Was ist der Grund, warum du keine Motivation für die Schule hast/ hattest?

  • Fehlendes Interesse an bestimmten Fächern
  • Gewisse Lerninhalte sind nicht zukunftsrelevant
  • Zwang zum Lernen, zu Präsentationen
  • Schlecht gestalteter Unterricht
  • Mobbing, schlechte Beziehung zwischen den Schülern
  • Schlechte Beziehung zwischen Schüler und Lehrer
  • Schwere Hausaufgaben
  • Fehlendes Wissen/Verständnis + zu wenig Hilfe/schlechte Erklärungen
  • Stress/Druck/Überlastung
  • Zu viele Aufgaben
  • Zu wenig Freizeit
  • Zu früher Anfang/Schlafmangel
  • Der Lehrplan -> zu wenig Freiheit für den Lehrer
  • Unmotivierte Lehrer
  • Veraltete Schulbücher
  • Zu wenig aktuelle Themen

Statt der Intrinsischen Motivation wird an dem meisten Schulen mit extrinsischer Motivation gearbeitet. Die Motivation kommt nicht daher, dass der Schüler lernen will, sondern er wird dazu gedrängt. Mittels Belohnungs- und Bestrafungssystem werden die Schüler dazu bewegt zu Lernen. Durch Klausuren, Präsentationen oder andere benotete Arbeiten werden die Schüler dazu gezwungen. Eine selbst entstehende Motivation ist somit an Schulen kaum anzutreffen.

Verschiedene Schulformen

Waldorfschule

Die Waldorfschule wurde 1919 von Rudolf Steiner und Emil Molt in einer Fabrik gegründet und nach dieser benannt. Die Schule sollte das Prinzip sozialer Gerechtigkeit im Bildungswesen verwirklichen. Hier steht nicht die Auslese, wie im gängigen Schulsystem, im Vordergrund, sondern alle Kinder sollen unabhängig der Herkunft und Leistungsstand unterrichtet werden. In dieser Schule lernen die Kinder von der ersten bis zwölften Stufe in einer festen Klasse und können nicht sitzen bleiben. Die Fächer reichen von traditionellem Fachunterricht bis zu künstlerisch-handwerklichen Unterricht, die gegenüber den anderen Fächern nicht minderwertig gesehen werden.

Förderung intrinsischer Motivation

  • starke Berufsorientierung durch Praktika und breitgefächerte Unterrichtsfächer (Berufswunsch als intrinsisches Ziel)
  • Hauptfächer und Nebenfächer werden gleichwertig gesehen (Interesse in Nebenfächern z.B. Musik wird gefördert)
  • viel Praxisunterricht wie Gartenbau oder Handarbeit
  • Schule lässt sich auf die Individualität des Schülers ein (eigene Ziele verfolgen
    können)
  • kein Notendruck → nur Rückmeldung von Lehrern

Anwendung extrinsischer Motivation

  • zum Unterricht erscheinen und mitarbeiten wird vorausgesetzt

Lernmethoden

  • Praktika und Projekte als Berufsorientierung
  • in der Klasse als Team zusammenarbeiten (gleiche Klasse ganze Schullaufbahn
    lang, kein Konkurrenzdenken)
  • Praxisorientierte Unterrichtsfächer z.B. Gartenbau
  • Klassenspiel (gemeinsames Theaterstück) in der 8. Klasse

Nachteile

  • von sich selbst aus Lernen kann Faulheit fördern und erschwert das Absolvieren des Abiturs (muss aus eigener Motivation gestemmt werden)

Quellen:

SWR Landesschau Baden-Württemberg. (05.09.2019). Waldorfschule – Was ist anders als an anderen Schulen? Youtube [Stand: 16.11.2020]

Bund der Freien Waldorfschulen [Stand: 16.11.2020]

VoxPop_ArteDE. (19.01.2020). Waldorfschulen auf dem Prüfstand – VOX POP – ARTE. YouTube [Stand: 16.11.2020]

Montessori-Schule

Die Montessori Schule wurde 1924gegründet und legt den Schwerpunkt auf den Vorschul- und Grundschulabschnitt. Das Schulkonzept stützt sich dabei auf Maria Montessoris Annahmen, dass das Kind in der Lage ist selbstständig zu Lernen, wenn der Erzieher es ihm durch ansprechende Materialien und eventuelle Hilfe des Lehrers ermöglicht. Der Lehrer soll erst einschreiten, wenn das Kind nicht zurecht kommt, nicht motiviert ist oder andere stört. In der Montessori Schule lernen die Kinder in alters- und leistungsgemischten Klassen ohne Frontalunterricht und vielen eigenen Lernphasen.

Förderung intrinsischer Motivation

  • kein Frontalunterricht
  • „Freiarbeit“ → Schüler arbeiten selbstständig mit Materialien, mit denen sie sich
    befassen möchten
  • ab der 5. Klasse weniger Freiarbeit, dafür aber langfristige Projektarbeiten
  • alters- und leistungsgemischte Klassen
  • gegenseitiges Helfen anstatt Konkurrenz
  • Fachunterricht und Klassenarbeiten (in den unteren Klassen) finden je nach
    Leistungsstand des Schülers statt
  • Noten werden erst ab der 8. Klasse vergeben, davor gibt es Rückmeldungen des
    Lehrers
  • ein Lerntagebuch zeigt den Fortschritt auf und steigert das Selbstvertrauen
  • Arbeiten mit Experimenten um den theoretischen Stoff greifbar zu machen

Anwendung extrinsischer Motivation

  • Lerntagebuch soll jeden Tag ausgefüllt werden, damit der Lehrer den Fortschritt des Schülers beurteilen kann
  • Aufforderungen vom Lehrer → im Fachunterricht mitarbeiten und auch in Freiarbeit arbeiten und nicht nur „rumsitzen“

Lernmethoden

  • Freiarbeit (je erste 2 Std. pro Tag)
  • gemischte Klassen
  • Experimente und Montessori-Unterrichtsmaterialien
  • individuelle Arbeitsmaterialien (leistungsstarke Kinder können auch schwierigeren
    Stoff bekommen) Rollenspiele
  • Gruppenarbeiten
  • Referate

Quellen

Kristianan Schmitz. (28.09.2020). Montessori Schule: Was zeichnet das Schulmodell aus?.Netmoms. [Stand: 16.11.2020]

Montessori Schule Trainstein. (19.05.2019). Imagefilm Montessori-Schule-Traunstein. Youtube. [Stand: 26.11.202]

Montessorischule Gemeinschaftsgrundschule Bonn. Konzept der Leistungsmessunf und Leistungsbeurteilung an der Montessorischule Bonn. Montessori-Bonn. [Stand: 26.11.2020]

Montessorischule Siegen. Häufig gestellte Fragen. Montessorischule [Stand: 26.11.2020]

Online-Unterricht

Digitaler Unterricht ist heutzutage nicht mehr wegzudenken. Gerade die Corona Pandemie hat dazu geführt, dass viele Schulen (zeitweise) auf den Online-Unterricht umgestiegen sind.

Bei dieser Unterrichtsform werden Schülerinnen und Schüler von zu Hause aus digital unterrichtet. Die Lehrer vermitteln den Lernstoff über virtuelle Klassenzimmer, gemeinsame Lernplattformen und weitere digitale Lehrangebote. Die Lernenden müssen sich also nicht am gleichen Ort befinden, um am gleichen Unterricht teilzunehmen. So können Lehrer und Schüler auch ortsunabhängig miteinander kommunizieren.

Mit der Corona-Krise ist der Online-Unterricht in ganz Deutschland angekommen und hat Schulen sowie Eltern und Schüler vor unerwartete Herausforderungen gestellt. Gerade in Bezug auf die Motivation der Schüler lässt sich über diese Art des Unterrichts leider kaum positives sagen.

Förderung intrinsischer Motivation

häufiger Verlust intrinsischer Motivation; kaum sozialer Kontakt

Anwendung extrinsischer Motivation

erfolgt hauptsächlich durch den Lehrer; wird zudem durch die Eltern gefördert

Lernmethoden zur Unterrichtsgestaltung

Unterricht findet rein digital statt. Schüler sitzen nicht im Klassenraum, sondern allein zu Hause vor dem Laptop. Der Unterricht erfolgt durch die Verwendung verschiedener Online Tools für Videokonferenzen (z.B. Zoom) und Lernplattformen (z.B. Moodle).

Im Rahmen einer Studie haben Forscher herausgefunden, dass es Schülern in Deutschland schwerfällt, sich beim Lernen vor dem Laptop zu Hause zu motivieren. Für die JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) wurden rund 1200 Jugendliche im Alter von 12-19 Jahren in ganz Deutschland befragt. Dabei gaben 59% der Befragten an, dass fehlende Motivation das größte Hindernis beim Online-Unterricht sei. 36% finden es besonders schwer, den Überblick über verschiedene Lernplattformen und Angebote zu behalten. Weiterhin gaben die Jugendlichen an, dass eine schlechte Internetverbindung (16%) und das Fehlen eines ruhigen Ortes zum Lernen (12%) Probleme beim Homeschooling darstellen.

Link zum Artikel

Selbstbestimmungstheorie

Die Selbstbestimmungstheorie basiert auf der Motivationsforschung von Richard M. Ryan und Edward L. Deci. Nach dieser Theorie hat der Mensch drei Grundbedürfnisse, die erfüllt werden müssen, um intrinsisch motiviert zu sein. 

Autonomie / Selbstbestimmung

Hierbei ist ein Freiwilligkeitsgefühl gemeint. Man befolgt gerne Anweisungen, wenn man selbst einen Sinn dahinter sieht.

Fähigkeit / Kompetenz

Es ist wichtig den Schülern ein Gefühl zu geben, effektiv auf Dinge einwirken zu können und konkrete Resultate zu erzielen.

Zugehörigkeit

Man sollte sich in seinem sozialen Umfeld wohlfühlen und die eigenen Gefühle offen und ehrlich äußern können. Zudem ist es wichtig, in sich selbst eine Bedeutung für Andere zu sehen.

Basierend auf dieser Theorie gibt es Punkte die man bei der Unterrichtsvorbereitung beachten kann, um die intrinsische Motivation der Schüler zu stärken:

  1. Es sollte eine nachvollziehbare Begründung für Lerninhalte geben.
  2. Die Schüler sollen die Möglichkeit haben, etwas aus Eigeninitiative zu erreichen und somit mehr Verantwortung zu erhalten.
  3. Es sollten möglichst keine Leistungsnachweise erbracht werden.
  4. 4. Die Schüler sollten die Möglichkeit haben, den Unterricht mitzugestalten und ihn
    durch Unterrichtsfeedback zu verbessern.
  5. Beziehungen sollten durch die Arbeit und den Austausch in Gruppen gestärkt
    werden.

Deci, E. L., & Ryan, R. M. (1993). Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. Zeitschrift für Pädagogik, 39(2)

Tipps

Steigerung der intrinsischen Motivation an Schulen

„Motivationssteigerung kann erreicht werden, indem die Lehrinhalte nicht nur von den Lehrern vorgegeben werden. Schüler sollen selbst Schwerpunkte im Lernstoff bestimmen, um ihre persönlichen Interessen zu decken. Auch Materialen und Medien tragen zur Motivationssteigerung bei. Die eingesetzten Unterrichtsmaterialien sollten originell, humorvoll und spannend sein. Schüler sind motivierter, wenn sie in den Unterricht involviert werden, beispielsweise durch Gruppenarbeiten und Diskussionen. Außerdem trägt die Lernumgebung zur Motivation der Schüler bei. Ein enges, dunkles und unfreundliches Kellerzimmer einer Schulklasse wirkt sich negativ aus, hingegen wirken warme Wandfarben, Pflanzen oder passendes Mobiliar positiv auf die Schüler und tragen somit auch zur Steigerung der intrinsischen Motivation der Schüler bei.“ (Quelle)

Tipps für Schulen

  • Schülern mehr Entscheidungsmöglichkeiten geben
  • spannende und abwechslungsreiche Aufgaben
  • vermitteln von Bedeutsamkeit und Sinn der Aufgaben
  • praxisnahe, zielorientierte Vermittlung des Unterrichtsstoffs
  • Gruppenarbeiten und Diskussionen fördern
  • unterstützendes, gemeinschaftliches Lernklima schaffen
  • Vermittlung von Strategien zum selbstbestimmten Lernen und zur adäquaten
    Einschätzung der eigenen Leistung
  • Begutachtung einer Leistung mittels Lernstandsüberprüfung (anstelle von Noten?)
  • Leistungsdruck minimieren
  • Schülern Freiräume lassen

Tipps für Online-Unterricht

  • Tag strukturieren, Zeitplan erstellen
  • Ziele definieren und festlegen
  • „Klassenzimmer“ einrichten
  • Überforderung vermeiden, Lerntempo anpassen
  • Ablenkung z.B. durch Smartphone vermeiden
  • engen Kontakt zu den Lehrern halten
  • Online-Lerngruppen mit anderen Schulkameraden bilden, gegenseitige
    Unterstützung
  • Feedback wahrnehmen und umsetzen
  • Apps, Lernplattformen und Videos zum selbstständigen Lernen nutzen
  • Sport und Bewegung

Persönliche Motivationstipps durch intrinsische Motivation

  • Verbinde eine Tätigkeit, die du nicht machen willst mit etwas, was dir persönlich Spaß macht. z.B. Lieblingsmusik hören, singen, ein Spiel aus der Tätigkeit erfinden, zusammen mit anderen die Aufgabe machen.
  • Die Aufgabe aufteilen und kleiner machen. z.B. die Aufgabe „Text schreiben“ in einzelne Absätze schreiben aufteilen. Danach wirkt die Aufgabe nicht so überwältigend und du hast einen einfacheren Start.
  • Such dir schöne Aspekte an der Tätigkeit, die du erledigen musst. Du definierst klar, was an der Arbeit dir gefällt (z.B. das körperliche Auspowern, Neugier an einem überraschenden Ergebnis, das Geräusch der Tastatur) und fühlst dich so motivierter.
  • Beantworte die Frage „Warum macht diese Tätigkeit für mich absolut Sinn?“. Einmal pro Woche Tennis spielen bedeutet für eine Person viel Spaß, eine andere Person findet das aber vielleicht langweilig. Du musst dich fragen warum du diese Tätigkeit machen willst und auch wenn eine Aufgabe erst wie eine Pflicht wirkt, gibt es ein übergeordnetes Ziel, welches du bestimmt erreichen willst z.B. das Abitur.

Quellen: Mathias Rudolph. Intrinsische Motivation: 10 Tipps, damit du endlich wieder Bock hast. Zeit zu leben. [Stand:17.12.2020]